So teuer kann fliegen sein

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Von Gediminas Ziemelis

In den letzten zehn Jahren wurde das Fliegen durch den Aufstieg der Billigfluggesellschaften für die breite Masse zugänglich. 2018 wurden über 4,3 Milliarden Passagiere in Linienflügen befördert – und die Zahl nimmt weiter zu. Zwar freuen sich die Fluggäste über die historisch niedrigen Ticketpreise, doch wie viel das Fliegen eigentlich kostet, nimmt kaum einer wahr.

Die Kosten beginnen bei den Flugzeugen. Das derzeit teuerste Passagierflugzeit ist die Boeing 777-300ER, die für rund 375,5 Millionen US-Dollar verkauft wird. Bis Ende 2019 plant Boeing den Start der neuesten Version des 777-Modells, die 777-9, die alle bisherigen Rekorde bricht und 442,2 Millionen US-Dollar kosten soll. Allerdings sind diese Angaben nur Katalogpreise. In der Regel sind die Hersteller flexibel und der Verkaufspreis eines Flugzeugs ist letztendlich geringer, als offiziell angegeben wird. 

Ein Sitzplatz für bis zu 250.000 US-Dollar

Selbst kleinste Details in einem Flugzeug können tausende Dollar kosten. So kosten Economy-Sitzplätze zwischen 3.000 und 10.000 US-Dollar pro Stück, während für First-Class-Sitze bis zu 250.000 US-Dollar pro Stück fällig werden können. Verfügt ein Flieger über ein Unterhaltungssystem, kann dies inklusive Bildschirm pro Platz rund 10.000 US-Dollar kosten.

Schon die kleinste Designverbesserung kann erhebliche Auswirkungen auf die Kosten einer Fluggesellschaft haben. Eine Airline aus dem Nahen Osten konnte ihre jährlichen Treibstoffkosten um 120.000 US-Dollar senken, indem sie etwas dünneres Leder auf 16 First-Class-Sitzen in 15 Flugzeugen verwendete.

Hohe Kosten für Flughafen-Slots

Neben den fixen Kosten für ein vollausgestattetes Flugzeug fallen diverse laufende Kosten an. Einige Ausgaben erweisen sich für den Betrieb als selbsterklärend, wie beispielsweise Treibstoff, die Besatzung, die technische Wartung und ähnliches.

Haben Sie sich aber davon abgesehen schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie viel zum Beispiel das Starten und Landen kostet? Sogenannte Flughafen-Slot Paare sind bestimmte Zeitfenster, die Fluggesellschaften für die Nutzung der Start- und Landebahnen erwerben. Die Preise für diese Slots unterscheiden sich je nach Flughafen. Ein Beispiel: In Heathrow, einem der größten und verkehrsreichsten Drehkreuze Europas, überlasten die Airlines mit ihrer Nachfrage das Angebot an Flugbewegungen. Alle Slots sind hier derzeit besetzt, die meisten davon gehören British Airways.

Die Fluggesellschaften sind bei Bedarf dazu berechtigt, Slots zu wechseln (dies kann mit zusätzlichen Gebühren verbunden sein) und zu mieten. Im Jahr 2008 zahlte Continental Airlines für vier Slot Paare von GB Airways je 52,3 Millionen US-Dollar. Oman Air übertraf diesen Rekord 2016 – 75 Millionen US-Dollar erhielt Air France-KLM für eine begehrte Ankunftszeit am frühen Morgen. Zusätzlich kommen noch Parkgebühren, Lärmentgelte, Navigationskosten und Passagiergebühren hinzu. 

Die Landegebühren auf dem bereits erwähnten Flughafen Heathrow betragen etwa 30 US-Dollar pro Sitzplatz und Passagier. Für eine Boeing 747-8 mit rund 500 Sitzen entspricht das einer Summe von über 15.500 US-Dollar. Jährlich werden in Heathrow allein damit mehr als 19 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet.

Das sind wohl gemerkt bisher nur die Ausgaben, die entstehen, wenn alles nach Plan läuft. Bei Unregelmäßigkeiten müssen die Fluggesellschaften draufzahlen. In einer Studie hat Eurocontrol vor über 20 Jahren herausgefunden, dass die Kosten pro Minute Verspätung für einen Airbus 320 über 24 US-Dollar am Boden und 37 US-Dollar während des Fluges betragen – das entspricht zwischen 1.480 US-Dollar und 2.220 US-Dollar pro Stunde. Fazit: Vom Kauf eines Flugzeugs über seinen Betrieb bis zur Wartung – Fliegen ist teuer.

Über Gediminas Ziemelis

Gediminas Ziemelis ist ein international bekannter Luftfahrtexperte, der zweimal als einer der talentiertesten jungen Führungskräfte in der globalen Luft- und Raumfahrtindustrie unter 40 Jahren ausgezeichnet wurde. Im Jahr 2016 wurde Gediminas Ziemelis für seine visionären und betriebswirtschaftlichen Leistungen von der renommierten Jury des European Business Award, bestehend aus führenden Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Bildung, Wirtschaft und Politik der EU, ausgezeichnet. Die Avia Solutions Group unter der Leitung von Ziemelis ist zu einem nationalen Champion in der Kategorie Entrepreneurship geworden und hat einen Platz unter den 110 besten europäischen Unternehmen erreicht.

Während seiner Karriere führte Ziemelis drei Unternehmen zum Börsengang, unterstützte und beriet chinesische Banken. Er war an Transaktionen in der GUS-Region mit einem Volumen von mehr als 2 Milliarden USD beteiligt, leitete ein Expertenteam bei der Gründung eines Joint Ventures mit der Provinz Henan und der China Aviation Agency und gründete mehr als 10 erfolgreiche Start-ups wie locatory.com, laserpas.com, skycop.com, aviationcv.com.

Heute verwaltet Ziemelis einen Private Equity Fonds, der ein Nettovermögen von 300 Millionen Euro in den Bereichen Luftfahrt, Immobilien, IT und Pharmazie besitzt. Er ist außerdem Sponsor verschiedener Projekte von Sport-, Bildungs-, Freiwilligen- und Wohltätigkeitsorganisationen. Ziemelis folgt den drei einfachen Prinzipien der sozialen Verantwortung – Verantwortung gegenüber Verbrauchern, Mitarbeitern und der Gesellschaft.